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table ronde..

 

..ohnehin war das nicht mein tag heute, der viele

 wein der letzten nacht war noch zu spüren und

schon der erste schritt glich dem letzten des vortages.

ich schaute mich um in meinem kühlschrank und

nur das angefangene wiederliche jogurt des 

vorangegangenen tages und schimmelkäse  der

 nicht so gut war wie sein name versprach, sah ich

 durch augen mit halb geschlossenem lieddeckel.

 

ich wusste der tag würde hart werden und so um

15.00 uhr würde er mich wieder einfangen und ich

 würde leiden müssen.

ich hatte viele solche tage, sie gehörten zu meinem

 leben und zu dem meiner freunde in dieser stadt.

wer nach 16.00 uhr noch kaffee trank oder etwa

mineralwasser der musste ernsthaft erkrankt sein

 und bekam vom runden tisch auch gleich die hilfe

 in form eines kleinen klaren.

es war darum besser gute mine zum bösen spiel,

 sich nur nichts anmerken zu lassen und gleich selber

 ein glas wein zu bestellen. hatte mal erst ein glas wein

 auf dem tisch so war es durchaus kein poblem sich

 auch ein wasser dazu zu bestellen.

es hatte sich eingebürgert dass der kellner an unserem

 runden tisch nach der bestellung des weines auch

 gleich nach einem wasser nachfragte. wir mochten

 diesen kellner, er lies uns das gesicht wahren und

 auch er kannte solche situationen von sich bestens.

 

ich hatte mir vorgenommen heute dem croix blanche

 aus dem weg zu gehen und ein bisschen am see

 entlang zu laufen.

an diesem samstag sollte das möglich sein, es war markt

 und der runde tisch wäre sowieso nur halb besetzt.

zualledem war bertrand mein freund nicht da,

 familienschlauch wie er sagte und der runde tisch

 hatte stehts an glanz verloren wenn er fehlte.

 

ich ging die alte gasse hinunter entlang von weissem

 schauerlichem flieder. unten war der friedhof und er

 hatte schon immer einen seltsamen reiz auf mich ausgeübt.

ich mochte es den beerdigungen zuzuschauen, vor allem

 wenn jemand mit namen und wirkung in dieser kleinen

 stadt gestorben war.

ich hatte glück, beim totenhaus stand die kutsche mit den

 vier schwarzen rappen, dass musste ein gemeinderat sein

 oder noch etwas wichtigeres.

die frauen trugen hüte wie um die jahrhundertwende und

 man hätte glauben können da würde ein aristo begraben.

fein hatten sich auch die männer rausgeputzt und die

 stadtmusik war da.

dass dieser tote sehr wichtig sein musste sah man jedoch

 an den trommlern. Die wurden nur selten aufgerufen,

 dieser mensch hatte seine steuern bezahlt.

 

im getümmel vor der kirchentüre erkannte ich plötzlich

 meinen freund bertrand. der tote musste ein verwannter

sein und nun wusste ich auch wass er mit familienschlauch meinte.

 

der friedhof war mir eigentlich zu rausgeputzt ich mochte

 mehr die irischen halbverfallenen.

über denen lag vergessen und der gedanke des vergessens

 hatte etwas liebliches.

 

mir war nun auch klar dass das croix blanche auch heute

 auf dem weg liegen würde, bertrand kam im anzug und er

 wird was springen lassen und vielleicht hatte er geerbt.

 

ich ging gemächlich dem see entlang, beobachtete die

 erfolglosen fischer und die schwäne die zuhauf das ufer

 säumten.

 

wenn ich hinauf vom see blickte sah ich meine alte

 kleine stadt.

Ich war im innersten ein bisschen stolz, teil von ihr und

 sogar in ihr geboren worden zu sein.

sie ist sehr alt und trotze schon im 14. Jahrhundert den

 angriffen der burgunder.

 

es dauerte nicht lange, ich sprach ein bisschen mit den

 anglern, nicht ohne mein fachwissen kundzutun selbstredend

 und wanderte dann gleichsam einem alten postpferd das

 seine strecke kannte, zielstrebig auf dem kopfsteinpflaster

 zum alten stadttor hinauf.

dann noch hunderteinunzwanzig schritte und die schwelle

 des croix blanche war erreicht.

das wusste ich genau, bertrand hatte meinen schritt und er

 hat sie mehrmals nach der arbeit wenn er dürstete, abgezählt.

 

es war wie ich dachte, der tisch war halb leer und nur der alte

 schlosser und der schwule friseur waren anwesend.

ich bestellte meinen ballon  vully und mit einem zunicken

 auch das wasser.

die beiden sprachen über den toten und liessen nicht viel

 gutes an ihm. er schien hier und da noch rechnungen offen

 zu haben und hätte sich quasi weggeschlichen mit seinem

 herzschlag.

auf meine frage wie es den komme dass das ganze so

 pompös veranstaltet wurde bekam ich die antwort, dass

 er auch tambour(trommler) gewesen sei in seiner jugend

 und dass trommler sich immer auf den friedhof begleiten

 würden.

die kleider, gleichsam plüsch und trotta wären sitte in der

 familie von bertrand weil sie vor hunderten von jahren

 hugenotten gewesen seien, aus frankreich kamen und

 dem kleinadel angehörten.

davon hatte mir bertrand nie was gesagt aber ich musste

 zustimmen wenn ich an sein elternhaus dachte welches

 eigentlich früher das pfarrhaus, und auch recht muffig

 eingerichtet war.

 

die stunde verging und bertrand tauchte auf.

er hatte sich schon umgezogen und wollte den

 leichenschmaus auslassen und sich lieber zu uns gesellen.

nun kam auch der stadtpolizist philipp dazu und die runde

 war fast vollzählig.

der laue sommerabend schien bertrand melancholisch zu

 stimmen und er konnte uns, entgegen unserer natur, dazu

 bewegen, heute mal draussen zu sitzen.

 

wir folgten ihm zumal er auftischen lies, gutes fleisch, käse

 aus der gegend und natürlich wein.

 

es war wie oftmals an einem samstag, wir hatten viel

 gesprochen, viel gelacht und das aufstehen würde nicht

 anders sein als er es an diesem tag war.

 

 

 

le, OS sommer2002

 

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